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Gebührenordnung für Tierärzte

Die Gebührenordnung für Tierärzte

Der Tierarzt/Tierärztin muss seine/ihre Leistungen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), eine bundeseinheitliche Rechtsverordnung, berechnen. Am 22. August wurde die Novelle der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die neue Verordnung ist vom 22. November 2022 an gültig. Erstmals seit 1999 wurde die Gebührenordnung umfassend geändert, u. a. um zu gewährleisten, dass sich darin auch neuere medizinische Verfahren (z. B. Computertomografie) wiederfinden.

Die gesetzliche Gebührenordnung sorgt für Transparenz und schützt Tierhalter:innen vor Übervorteilung. Ein Wettbewerb zwischen Tierärzt:innen soll über die Leistung und nicht über den Preis stattfinden. Eine angemessene gesetzliche Vergütung stellt sicher, dass Tierärzt:innen dem Qualitätsanspruch der Tierhalter:innen z. B. durch Investitionen nachkommen können. Das sichert die angemessene Bezahlung der Mitarbeiter:innen und damit auch die erforderliche Sorgfalt in der tierärztlichen Praxis hinsichtlich der tierärztlichen Leistungen. Ein hohes Qualitätsniveau der tierärztlichen Leistung dient dem Tierschutz. In landwirtschaftlichen Betrieben dient es außerdem dem Verbraucherschutz durch gesunde und rückstandsfreie tierische Erzeugnisse.

Das Gebührenverzeichnis ist nun neu strukturiert und dadurch besser verständlich. Auch im Paragrafenteil hat es wichtige Änderungen gegeben: Zum einen müssen nun auch juristische Personen (GmbHs) die GOT anwenden, zum anderen ist es verpflichtend, Wegegeld zu berechnen. Außerdem muss für die Fälligkeit eine tierärztliche Rechnung erstellt und dem/der Tierhalter:in ausgehändigt werden; dabei muss jeder Verrichtung die zugehörige Nummer des Leistungsverzeichnisses hinzugefügt werden.

Der neue § 5 der GOT schreibt vor, dass eine Unterschreitung der einfachen Gebührensätze grundsätzlich nicht zulässig ist.

Zur Kommunikation der Gebührenanpassung hat die BTK verschiedene Informationsblätter erstellt:

Die Bundestierärztekammer hat 2017 in einem Merkblatt die Grundsätze der GOT aufgelistet und veranschaulicht anhand zweier Beispiele die Berechnung der tierärztlichen Leistung. Da diese die Summe der Gebühren für die einzelnen Behandlungsschritte ist, können keine pauschalen Preise angeben werden.

Allgemeine Bestimmungen

  • Die einzelne Leistung kann mit dem Ein- bis Dreifachen des jeweiligen Gebührensatzes berechnet werden. Welchen Satz der Tierarzt wählt, hängt vor allem von den Umständen des Falles ab, insbesondere der Schwierigkeit, dem Zeitaufwand, dem Wert des Tieres und den örtlichen Verhältnissen.
  • Die Unterschreitung des Einfachsatzes ist grundsätzlich unzulässig.
  • Ausnahme: Im begründeten Einzelfall können der Einfachsatz unter- bzw. der Dreifachsatz überschritten werden. Liegt ein solcher Grund vor, muss vor der Behandlung eine schriftliche Vereinbarung zwischen Tierarzt und Patientenbesitzer getroffen werden.
  • Zusätzlich zu den Leistungen werden ggf. angewandte oder abgegebene Arzneimittel oder Materialien sowie Barauslagen für Laborleistungen berechnet. Zum Gesamtbetrag kommt Mehrwertsteuer hinzu.
  • Die GOT fordert nicht, dass der Tierarzt eine Rechnungschreiben muss. Tut er es, dann sollte sie zumindest enthalten: Datum, Tierart, Diagnose,  berechnete Leistung, Rechnungsbetrag, Umsatzsteuer und die oben genannten Vergütungen. Sie können vom Tierarzt verlangen, dass er die Rechnung noch weiter aufgliedert.


Gebührenverzeichnis

Das Gebührenverzeichnis enthält im Teil A Grundleistungen, z.B. „Beratung“, „Allgemeine Untersuchung mit Beratung“, im Teil B Besondere Leistungen, z.B. „Injektion“, „Kastration“, „Verband anlegen“. Fast immer besteht eine Behandlung aus mehreren Schritten, also verschiedenen Positionen des Gebührenverzeichnisses.

*) Die Berechnungen gelten nur für den beschriebenen Routinefall. Bei einer Ohrenentzündung werden z.B. meist mehrere Behandlungen nötig sein. Wenn in Beispiel II bei der allgemeinen Untersuchung der Katze Anzeichen für eine Herzerkrankung festgestellt würden, müsste das Herz zunächst eingehend weiter untersucht werden. Höhere Gebühren würden z.B. auch bei einem anderen Narkoseverfahren oder intravenösen Injektionen anfallen.

Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, Tierärztin!

Lassen Sie sich erklären, welche Untersuchungen gemacht werden müssen und wie dann – je nach Diagnose – die Behandlung aussehen wird. Lassen Sie sich auch die voraussichtlichen Kosten erläutern. Aber bedenken Sie bitte, dass Ihr Tier ein lebendiges Individuum ist – ein Kostenvoranschlag wie bei einem Handwerker ist nicht möglich! (BTK)