Tierärztekammer
Hamburg

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Hunde

 

Fortsetzung  des Artikels zum Hamburger Hundegesetz

Hamburger Tierärzte zum Hamburger Hundegesetz vom 26.01.2006

 Hamburger Hundegesetz

Das Hamburger Hundegesetz wurde am 26. Januar 2006 von der Bürgerschaft des Hamburger Senats verabschiedet und beinhaltet Regelungen über das Halten und Führen von Hunden in der freien und Hansestadt Hamburg. Es dient primär der Gefahrenabwehr. Das Gesetz listet Hunderassen auf, die per se als gefährlich angesehen werden, und die ihre Ungefährlichkeit mittels eines Wesenstests unter Beweis stellen müssen. Die Hamburger Tierärzteschaft sowie Sachverständige haben sich wiederholt gegen diese Rasselisten ausgesprochen, weil es keine wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang von Aggressivität eines Hundes und der Rassezugehörigkeit gibt. Die Hamburger Tierärzteschaft setzt sich dafür ein, dass die Gefährlichkeit eines Hundes auf individueller Basis beurteilt wird, und dass grundsätzlich von der Gutartigkeit eines Hundes auszugehen ist, sofern dessen Besitzer die notwendige Sachkenntnis zur Hundehaltung besitzt. Die Hamburger Tierärzte fordern deshalb eine Sachkundeprüfung für jeden Hundehalter und das Aussetzen eines Wesenstests für Hunde, bei denen keine individuellen Verdachtsmomente der Gefährlichkeit vorliegen.

Hund_8431.jpgFoto: © Barbara Litza

Das Gesetz sieht vor, dass alle Hunde mittels eines Mikrochips zu kennzeichnen sind. Diese Kennzeichnungspflicht wird von den Hamburger Tierärzten begrüßt, da sie die problemlose Zuordnung eines freilaufenden Hundes zu seinem Besitzer ermöglicht und zudem das Aussetzen von Hunden erheblich erschwert. Das Einsetzen eines Mikrochips stellt einen völlig harmlosen Eingriff dar und wird von jedem praktizierenden Tierarzt durchgeführt. Die Gebühren für eine Mikrochipimplantation richten sich nach der gesetzlich geltenden Gebührenordnung für Tierärzte. Darin ist eine klinische Allgemeinuntersuchung des Hundes enthalten, welche die Tierärztekammer als notwendige Voraussetzung für die Implantation ansieht. Im Zusammenhang mit der Kennzeichnungspflicht hat die Hamburger Tierärzteschaft eine Übermittlung der Hundehalterdaten an die entsprechenden Behörden allerdings abgelehnt, weil sie sich außer Stande sieht, eine Gewährleistung für die Korrektheit und Vollständigkeit dieser Daten zu übernehmen.

Das Gesetz sieht des weiteren das Ablegen einer Gehorsamsprüfung vor, um den Hund und seinen Besitzer von der generellen Anleinpflicht zu entbinden. Die Hamburger Tierärzte halten es für zwingend notwendig, dass Hunde ausreichend Freilauf ohne Leine erhalten und sehen die hierfür ausgewiesenen Freilaufflächen als noch nicht ausreichend an. Die Hamburger Tierärzte sprechen sich für die Freigabe weiterer Hundeauslaufflächen aus, da die Anzahl und Größe der Freilaufflächen maßgeblich darüber entscheidet, ob eine artgerechte Hundehaltung, wie sie durch das Tierschutzgesetz vorgeschrieben ist, tatsächlich ermöglicht werden kann. Deshalb wird auch jedem Hundebesitzer dringend empfohlen, eine Gehorsamsprüfung abzulegen und eine Befreiung von der Anleinpflicht zu beantragen. Grundsätzlich stellt die Gehorsamsprüfung eine adäquate Methode dar, die öffentliche Ordnung zu erhalten und ein problemloses Zusammenleben zwischen Hunden und Menschen zu ermöglichen. Sie garantiert allerdings nicht, dass der Hundehalter auch die notwendige Sachkenntnis zur Hundehaltung hat, so dass sich die Tierärztekammer Hamburg für eine Sachkundeprüfung auf freiwilliger Basis einsetzt, die ähnlich wie das Führen eines Kraftfahrzeuges im Straßenverkehr der Vermeidung von Gefahren in der Öffentlichkeit dient.

Nicht alle Hunde können jedoch eine Gehorsamsprüfung ablegen. Einige sind aufgrund ihres Alters oder aufgrund chronischer Erkrankungen hierzu nicht imstande. In diesen Fällen kann der Tierarzt ein Gutachten erstellen, in dem dargelegt wird, warum eine Befreiung von der Gehorsamsprüfung im Einzelfall vorzunehmen ist. Die Kosten für ein derartiges Gutachten richten sich ebenfalls nach der Gebührenordnung für Tierärzte.

Die Hamburger Tierärzteschaft ist bemüht, als Bindeglied zwischen den Hundehalterinnen und Hundehaltern und den Behörden zu fungieren und steht den Hundhalterinnen und Hundehaltern für weitere Informationen zu diesem Thema gerne zur Verfügung.

Links zum Thema
www.hundegesetz.hamburg.de
www.hunde.hamburg.de

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5 vor 12: Tierärzte legen die Arbeit nieder 

Pressemitteilung 

Am 1. April 2006 tritt das neue Hamburger Hundegesetz in Kraft. Die Hamburger Tierärzte befürchten, dass mit diesem Gesetz die Bürgerinnen und Bürger nicht besser geschützt werden, sondern dass es eher mehr potenziell gefährliche Hunde geben wird.Mit der Aktion „5 vor 12“ werden sie am 31. März symbolisch die Arbeit niederlegen. 5 Schweigeminuten widmen die Tierärzte nicht nur ihren Bedenken gegen die fachlichen Mängel des Gesetzes, sondern auch den Hundehalterinnen und Hundehaltern, auf die große finanzielle Belastungen zukommen werden.

5 vor 12
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Brief an die Bürgerschaft vom 18.08.2005

Plädoyer für Aufhebung der Hunde-Rassenliste 

Sehr geehrte Damen und Herren der Hamburger Bürgerschaft,

die Tierärztekammer Hamburg möchte sich hiermit noch einmal deutlich gegen eine Auflistung von einzelnen Hunderassen als „generell gefährlich“ aussprechen. Wir halten es für sinnvoll, dass das geplante Gesetz neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in diesem Bereich angepasst wird und möchten Sie bitten, hierbei auch Aussagen aus den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts vom 16.3.04 und des Bundesverwaltungsgerichts vom 28.6.04 sowie aktuelle Auflistungen von Zwischenfällen mit Hunden zu berücksichtigen. Die entsprechenden Unterlagen finden Sie aufbereitet in der Anlage.

Wir plädieren dafür, dass die Rassenlisten aufgehoben werden.

Aus den in der Anlage genannten Dissertationen können Sie entnehmen, dass der Halter einen großen Einfluss auf das Wesen seines Hundes hat. Ein gut erzogener Hund, der sozialverträglich ist, ist der Garant dafür, dass ein mögliches Gefahrenrisiko gesenkt wird. In diesem Sinne ist es wichtig, Hundehaltern einen Anreiz zu geben, sich sachkundig zu machen und ihre Hunde zu erziehen! Das Eckpunktepapier zum Hundegesetz sieht vor, dass Halter mit ihren Hunden einen theoretischen und praktischen Sachkundenachweis erbringen sollen. Wir möchten dafür plädieren, dass auch hierbei maßvoll vorgegangen wird und für langjährige problemlose Hundehaltungen entsprechend positive Regelungen und Übergangsfristen geschaffen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Für den Vorstand der Tierärztekammer Hamburg

Dr. B. Schöning
Präsidentin

Begründung zur Aufhebung der Rassenliste im geplanten Hundegesetz
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