Tierärztekammer
Hamburg

Tierinfo

Wissenswertes rund um das Tier und dessen Haltung

Tierseuchen

Aktuelle Informationen zum Tierseuchengeschehen finden Sie auf der Webseite des
Friedlich-Loeffler-Instituts (FLI).

FLI_389.png

Ausbruch der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer in Bayern (25.08.2015)

Meyers_Pferde_kl.jpg(BTK) Meldungen aus Bayern haben in den letzten Wochen zu Sorge unter Pferdehaltern geführt, denn dort gab es mehrere Fälle der gefürchteten Pferdeseuche Equine Infektiöse Anämie (EIA). (Bild: Meyers Konversations-Lexikon v. 1885–90, 12.Bd. 4. Auflg.)

Die EIA oder "Ansteckende Blutarmut der Einhufer" gehört zu den am meisten gefürchteten Pferdekrankheiten. An dieser durch Viren verursachten Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe können neben Pferden auch andere Einhufer wie Ponys, Esel, Maultiere, Maulesel und Zebras erkranken. Auf Menschen oder andere Tierarten ist das Anämievirus jedoch nicht übertragbar.

"Das Virus bleibt im getrockneten Blut etwa sieben Monate infektionsfähig, im Kot und Harn behält es seine Infektionsfähigkeit für zwei Monate. Verbreitet wird es hauptsächlich über blutsaugende Insekten, hier vor allem durch Bremsen, die das Virus von infizierten auf nichtinfizierte Tiere übertragen. Damit sich ein Pferd mit EIA infizieren kann, muss es aber mehrfach gestochen werden", erklärt Prof. Dr. Karsten Feige vom Ausschuss für Pferde der Bundestierärztekammer.

Die Viruspartikel werden von Pferden periodisch über Speichel, Milch und Sperma ausgeschieden und können über intakte Haut und Schleimhäute, aber auch über Wunden in den Körper aufgenommen werden. Aus diesem Grunde besteht auch unwissentlich die Gefahr einer Übertragung über Blutprodukte (Serum, Plasma, Blut) oder  gemeinschaftlich genutztes Sattel- und Putzzeug. Zudem wird die Erkrankung von der infizierten Stute auf das ungeborene Fohlen übertragen. Eine direkte Infektion von Tier zu Tier ist jedoch eher sehr selten.

Feige: "Vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten erster Krankheitsanzeichen können einige Tage bis drei Monate vergehen. Innerhalb von zwei bis sieben Wochen kann die Infektion zum Tod der Tiere führen. Charakteristisch bei akutem Krankheitsverlauf sind mittel- bis hochgradiges Fieber blasse oder gelbliche Schleimhäute, punktförmige Blutungen der Schleimhaut, gerötete Augen mit vermehrtem Tränenfluss oder Blut im Kot. Tückisch ist, dass die Erkrankung heutzutage ohne Symptomatik verläuft: Diese Pferde stellen als lebenslange Virusträger und potenzielle Ausscheider des Virus eine große Gefahr für gesunde Pferde dar."

Was kann der Pferdehalter tun?
- Um sicherzugehen, ob ein Pferd mit dem Virus infiziert ist, erfolgt ein sogenannter "Coggins-Test". Hierbei handelt es sich um einen Nachweis von Antikörpern im Blutserum. Der Test dauert ca. drei Tage, ist kostengünstig und ungefährlich. Ist das Ergebnis positiv, gilt das Pferd als infiziert.

- Zur Vorbeugung der EIA ist es für den Tierhalter lediglich möglich, durch konsequente Bekämpfung der übertragenden Insekten und Hygienemaßnahmen das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Einen zusätzlichen Schutz bieten die sogenannten Repellentien. Das sind spezielle Wirkstoffe, die direkt auf das Pferd aufgetragen werden, um den Saugakt der Insekten zu vermeiden.

- Um die Gefahr einer Einschleppung der Seuche und ihrer Verbreitung zu reduzieren, empfehlen wir, bei jeder Form von Neuzugängen oder Bestandswechsel eine Bescheinigung über das negative Ergebnis eines Coggins-Tests zu verlangen! Dies gilt besonders mit Blick auf möglicherweise illegale Importe von Pferden aus anderen Ländern, insbesondere Osteuropa.

Achtung:
Bei der EIA handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, deren Bekämpfung staatlich geregelt ist. Schon der Krankheitsverdacht muss unverzüglich dem Veterinäramt angezeigt werden. Dieses leitet dann weitere diagnostische Schritte und Maßnahmen zur Verhinderung der Virusverbreitung ein. Hierunter fallen z. B. Maßnahmen wie Quarantäne von krankheitsverdächtigen Tieren, Bestandssperrungen und Transportbeschränkungen. Impfungen und Heilversuche sind verboten! Da bisher kein geeigneter Impfstoff auf dem Markt existiert und latent infizierte Tiere eine Infektionsgefahr darstellen, basiert die Bekämpfung neben der Durchführung von Sperr- und Quarantänemaßnahmen bisher auf der Tötung infizierter Tiere.

Wie ist vorzugehen, um die Ansteckende Blutarmut der Einhufer in Deutschland zu tilgen?
Dazu Prof. Dr. Dipl. Gerald F. Schusser, Direktor der Medizinischen Tierklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Mitglied im Ausschuss für Pferde der Bundestierärztekammer: Das Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) vom 1. Mai 2014 legt den vorbeugenden Schutz (Prävention) vor Tierseuchen gesetzlich fest. Damit betrifft das auch die anzeigepflichtige Tierseuche "Ansteckende Blutarmut der Einhufer". Die Prävention erfolgt durch Beibringen eines negativen Coggins-Test-Zeugnisses (nicht älter als drei Monate) bei Kauf, Verkauf, Bestandswechsel, Turnierteilnahme oder Import (TierGesG § 6, 1 Ziffer 8b, 25). Alle übrigen Pferde, Esel, Maultiere oder Maulesel werden einer jährlichen Kontrolluntersuchung (TierGesG § 10 Monitoring) unterzogen. Die Blutuntersuchung zur Durchführung eines Coggins-Testes wird laut TierGesG § 5,3 in einer beauftragten Untersuchungseinrichtung vorgenommen.

Die Kosten der Untersuchung übernimmt die Tierseuchenkasse und die tierärztlichen Kosten werden vom Tierhalten/Tiereigentümer getragen, um eine Einhuferpopulation ohne "Ansteckende Blutarmut" – Tierseuchenfreiheit laut TierGesG § 9 in Deutschland zu haben!

Afrikanische Schweinepest kommt näher (Update 01.10.2014)

Schweine KopfDie Bundestierärztekammer (BTK) nimmt die aktuelle Entwicklung des Seuchengeschehens hinsichtlich der Afrikanischen Schweinepest (ASP) insbesondere in den osteuropäischen Mitgliedstaaten Lettland, Litauen, Estland und Polen mit großer Besorgnis zur Kenntnis und stellt fest, dass das Risiko der Einschleppung der Seuche nach Deutschland täglich weiter ansteigt.


Pressemitteilung der BTK vom 25.09.2014 und
Resolution zur ASP vom 20.09.2014

Ende Januar 2014 trat die Afrikanische Schweinepest erstmals in Litauen in zwei Regionen an der Grenze zu Weißrussland auf und hat somit EU-Gebiet erreicht. Im Juni 2013 meldete Weißrussland in der Grenzregion zu Polen erste Fälle. Eine Einschleppung in weitere Länder der Europäischen Union kann nicht ausgeschlossen werden. Über Transportfahrzeuge, die aus betroffenen Regionen zurückkehren, sowie mit Produkten aus nicht durchgegartem Fleisch (Schinken, Salami, usw.) infizierter Schweine könnte das Virus weiter verbreitet werden. Besonders das (illegale) Verfüttern von Speiseabfällen stellt hierbei eine Infektionsquelle dar.

Empfehlungen für Tierhalter, Jäger und Tierärzte  PDF_1_16_16.png

Beim Auftreten akuter Symptome, die nicht klar einer anderen Erkrankung zugeordnet werden können, und insbesondere auf Antibiotikagabe nicht ansprechen, sollten geeignete Proben zur Abklärung einer möglichen Schweinepestinfektion an die zuständigen Untersuchungseinrichtungen der Länder weitergeleitet werden.

Angesichts des aktuellen ASP-Seuchenverlaufes an den EU-Grenzen ist insbesondere die Jägerschaft aufgefordert, ein vermehrtes Auftreten von Fallwild (Schwarzwild) der zuständigen Behörde zu melden bzw. entsprechende Proben (v. a. Schweiß, Lymphknoten, Milz, Lunge) amtlich abklären zu lassen.
Weitere Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI)
Factsheet des FLI zur ASP vom 28.01.2014 (pdf-Datei, 3,7 MB)

Maul- und Klauenseuche in Ägypten (März 2012)

Kuh_8147b.jpgDie Bundestierärztekammer appelliert an Reisende, keine Lebensmittel mit nach Deutschland zu bringen. Ägypten wird momentan von einem verheerenden Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) heimgesucht. Besonders betroffen sind, wie das Landwirtschaftsministerium in Kairo mitteilte, Rinder, Büffel und kleine Wiederkäuer sowohl im Nildelta als auch weiter südlich in Dörfern entlang des Nils. Die Bundestierärztekammer appelliert darum an alle Rückreisenden aus Ägypten, keine Lebensmittel oder Produkte tierischer Herkunft wie Hörner und Felle von dort mit nach Deutschland zu bringen. Außerdem sollten Touristen, die gerade aus Ägypten kommen, auch keine landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland besuchen. (Foto: © Barbara Litza)

Das Maul- und Klauenseuche-Virus ist so tückisch, weil es sogar über Kleidung, Fahrzeuge oder über Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte, Fleisch oder Rohwürste wie Salami eingeschleppt werden kann. Das äußerst widerstandsfähige Virus ist zwar für Menschen ungefährlich, für alle landwirtschaftlichen Klauentiere wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und auch für Wildtiere aber extrem ansteckend. Es verursacht bei Tieren starke Schmerzen und führt häufig zum Tode. In England mussten bei einem Ausbruch der anzeigenpflichtigen Tierseuche im Jahre 2001 sechs Millionen Tiere unter schlimmen Bedingungen getötet werden.

„Alle großen und kleinen landwirtschaftlichen Betriebe und Hobbyhalter in Deutschland müssen ihre Tierbestände vor einer Infektion mit diesem Virus bestmöglich schützen. Darum sollten jetzt besonders Touristen, die in der Landwirtschaft oder Tierhaltung arbeiten, achtsam sein und im Ägypten-Urlaub den Kontakt mit Rindern, Schafen oder Ziegen vermeiden. Tierhalter in Deutschland sollten verstärkt darauf achten, dass nur
zugangsberechtigte Personen in ihre Tierbestände gehen und Regeln der Hygiene eingehalten werden, wie es allgemein üblich ist. So sind die Tiere bestmöglich vor Infektionen geschützt“, betont Prof. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. Tierärzte sind in Sachen Tierseuchen wichtige Berater und können aktuellste Informationen zum Seuchengeschehen geben.
Weitere Infos zur Maul-und Klauenseuche bei Wikipedia